bunte GedankenWelt

Stigmatisierung und Ich

Die Schulzeit

Seit meiner Zeit in der sechsten Klasse wurde ich isoliert. Damals lag es daran, dass ich keine Designerkleidung trug. Zudem bekam ich „nette“ Spitznamen wie „Pferdefresse“ usw. Das wurde täglich schlimmer. Ich machte den Fehler, mit niemandem zu sprechen, weil ich mich schämte. Außerdem wollte ich kein Geld für Kleidung ausgeben, nur weil darauf „adidas“ oder Ähnliches stand. Das empfand und empfinde ich immer noch als unnötige Ausgabe. 

In der Schule fand ich ein wenig Anschluss bei den sogenannten „Strebern“, obwohl ich mich nicht wirklich zugehörig fühlte. Ich war sicher vieles, aber kein Streber, sondern eher sehr nachlässig, wenn es um den schulischen Lernstoff ging. Die Schule war ab der sechsten Klasse einfach nur eine Tortur. Rückblickend ist es beunruhigend, wie früh das Ausgrenzen beginnt.

Stigmatisierung und ich

Ich habe mich nie wirklich zugehörig gefühlt, außer in unserer Dorfclique. Alle außer einer gingen auf eine andere Schulform, daher sah man sich nur in den Pausen. Natürlich verbrachten wir jede freie Minute miteinander in der Freizeit. Doch auch hier spürte ich irgendwie, dass ich anders war als die anderen.

Ich habe einige traumatische Erfahrungen gemacht. Die Scheidung meiner Eltern und der Umzug von 200 Kilometern waren noch das Geringste. Es war schrecklich für mich, Familie und Freunde zurückzulassen, aber ohne meine Mutter wollte ich nicht leben. Solche Erlebnisse und die darauf folgenden Prägungen prägten mich sehr.

 

Als ich ungefähr 16 Jahre alt war, musste ich meine Dorfclique verlassen. Meine Mutter und mein Stiefvater entschieden sich, ein Haus zu kaufen, was bedeutete, dass ich wieder die Schule wechseln musste. Leider hatten die neuen Schulen die gleichen Probleme wie die vorherigen, die ich besucht hatte. Mit zunehmendem Alter wurde es eigentlich nur schlimmer. Die anderen Jugendlichen waren älter und gemeiner. Ich wurde nicht nur gemobbt, sondern meine Gefühle wurden regelrecht ausgenutzt.

Neue Umbrüche

Ich hatte keinen Kontakt mehr zu meinem Vater, also waren auch die regelmäßigen Besuche in meiner alten Heimat nicht mehr möglich. Das hat mich stark belastet. Ich war völlig überfordert mit meinem Leben und lief von zu Hause weg. Rückblickend war es sicherlich nicht die beste Entscheidung, aber damals schien es der einfachste Ausweg zu sein. Mit 18 denkt man einfach noch nicht so weit voraus – zumindest habe ich nicht darüber nachgedacht, welche Konsequenzen das haben könnte.

Im Nachhinein ist man immer klüger. Ich habe neun Jahre lang Deutschland durchquert und bin von einer schwierigen Situation in die nächste geraten. Während dieser Zeit habe ich viele schöne Dinge erlebt, aber noch mehr traumatische und belastende Erfahrungen gemacht. Es war in dieser Zeit, als ich erstmals Kontakt zu Psychologen und Therapeuten hatte und Diagnosen wie Borderline, Depression und posttraumatische Belastungsstörung erhielt. Es ist ein schreckliches Gefühl, bestätigt zu bekommen, dass man anders ist, obwohl man es schon die ganze Zeit gespürt hat.

Heimat einer psychisch kranken

Neue Leidenschaft

In dieser Zeit entwickelte ich auch eine Leidenschaft für Frauen. Damals dachte ich, dass ich lesbisch bin. Heute weiß ich, dass Labels nicht wichtig sind. Ich liebe den Menschen, unabhängig von Geschlecht oder Aussehen – Hauptsache, die Person ist authentisch. Doch all diese Selbsterkenntnisse während einer so schwierigen Phase im Leben waren sehr belastend.

Angekommen?!

Im Jahr 2014 kam ich geografisch im wunderschönen Baden-Württemberg an. Hier habe ich Höhen und Tiefen erlebt – von meiner eigenen Ehe über eine schmerzhafte Trennung bis hin zu einer toxischen Beziehung mit einem Ehepaar. Es dauerte viel zu lange, bis ich meinen sicheren Hafen fand, meine heutige Partnerin. In diesen Jahren musste ich mehrere Klinikaufenthalte aufgrund von Suizidversuchen durchstehen. 

Angekommen in Karlsruhe

Dabei erhielt ich weitere Diagnosen wie Angststörungen. Die Zeit in der Klinik hat jedoch viel verändert und mir Fähigkeiten vermittelt, die mir auch heute noch im Alltag helfen. Ich verspüre nicht mehr das dringende Bedürfnis zu flüchten. Sicherlich kommen hin und wieder Gedanken auf, die Tasche zu packen und wegzugehen, aber dieser Moment verschwindet genauso schnell wieder.

Stigmatisierung

Stigmatisierung ist eine große Herausforderung für Betroffene. Oft trauen sie sich nicht, darüber zu sprechen, weil die Gesellschaft einem das Gefühl gibt, dass man falsch ist. Falsch, weil man liebt, wen man liebt, falsch, weil man psychisch krank ist (was von der Gesellschaft oft als gefährlich angesehen wird), oder falsch, weil man eine andere Religion hat als die Menschen um einen herum. Es gibt unzählige Gründe, warum Menschen ausgeschlossen werden, und das ist einfach nur falsch.

Love yourself

Steh zu dem, was du tust, wie du lebst und wen du liebst. Es gibt kein Richtig oder Falsch, solange es für dich stimmig ist und niemandem schadet. Sei stolz auf deine Authentizität und vergiss nicht, dass du wertvoll bist, genau so wie du bist. Du verdienst Respekt und Anerkennung für deine Einzigartigkeit und deine Reise. Lass uns gemeinsam eine Welt schaffen, in der sich jeder sicher und akzeptiert fühlt, unabhängig von seinen individuellen Lebensumständen.

Was möchten wir?

Wir möchten einen sicheren Raum schaffen, in dem Menschen, die von Stigmatisierung betroffen sind, ihre Stimme erheben können, sei es anonym oder offen. Wir möchten dir helfen, bevor du einen schweren Schritt gehst, und dir zeigen, dass du genau richtig bist, so wie du bist! Hör auf, an dir selbst zu zweifeln, und lebe dein Leben so, wie es für dich stimmt. Es ist egal, ob du dabei professionelle Unterstützung in Anspruch nimmst, ob du mit jemandem zusammen bist, der dasselbe Geschlecht hat wie du, oder ob du einer anderen Religion angehörst.

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Mein Weg 2014 - 2022

2014 - angekommen

2014

Gerade geographisch angekommen und eigentlich glücklich

Das erste mal bewusst in der Klinik

2019

Das erste mal in einer Psychatrie....

Angekommen bei meinem Hafen

2022

Endlich komplett angekommen...